Antisemitismus
Allgemein wird das Wort Antisemitismus mit Judenfeindlichkeit oder Judenhass übersetzt. Landläufig werden darunter alle Formen der Abneigung gegenüber jüdischen Menschen verstanden, die es vom Altertum bis in die heutige Zeit gab und immer noch gibt. Geschichts- und Politikwissenschaftler haben jedoch verschiedene Begriffe für die unterschiedlichen Arten der Judenfeindlichkeit geprägt. Ist sie vor allem dadurch motiviert, dass Juden eine andere Religion als die christliche haben, nennt man sie Antijudaismus. Der Begriff Antisemitismus steht dagegen für die „modernen“ Formen der Abneigung gegen jüdische Menschen, die deren Anhänger vor allem mit einer ihrer Meinung nach biologischen Minderwertigkeit und der Zugehörigkeit zu einer angeblich existierenden fremden, jüdischen Rasse begründen. Eine weitere moderne Form von Judenfeindlichkeit ist der Antizionismus. Er ist durch eine Feindschaft gegenüber dem Staat Israel gekennzeichnet, dessen Existenzrecht er bestreitet. Erwähnt werden soll an dieser Stelle auch noch, dass der Begriff Antisemitismus von seiner genauen Wortbedeutung her nicht exakt zureffend ist, denn Semiten sind Angehörige einer Sprachgruppe, zu der neben den (hebräisch sprechenden) Juden zum Beispiel auch Araber gehören. Eine - womöglich spezifisch jüdische – Volksgruppe stellen sie also nicht dar.
In Deutschland aber auch in anderen europäischen Ländern hat Antisemitismus eine lange Tradition. Einen deutlichen Aufschwung nahm er in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er/Anfang der 1930er noch stärker zu. Dies nutzte Adolf Hitler mit seiner antisemitischen NSDAP ab dem Jahre 1933, um den Holocaust (Shoah) vorzubereiten und durchzuführen. In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945 wurden die jüdischen Deutschen ihrer Rechte beraubt, vertrieben und deportiert. Das Gleiche geschah ebenfalls den Juden in den von den Deutschen im 2.Weltkrieg besetzten Gebieten. Die so genannte „Endlösung der Judenfrage“ wurde auf der Wannsee-Konferenz am 20.1.1942 beschlossen. In der Folge wurden bis zum Ende des 2.Weltkriegs sechs Millionen Juden ermordet.
Dieser beispiellose Völkermord hatte nach 1945 eine weltweite Ächtung des Antisemitismus zur Folge. In der BRD sind heute antisemitische Handlungen und Äußerungen sowie die Leugnung oder Verharmlosung des Holocausts (Auschwitz-Lüge) verboten und werden strafrechtlich verfolgt (§ 130 StGB). Immer wieder kommt es jedoch zu antisemitischen Vorfällen wie Friedhofsschändungen oder Anschlägen auf Synagogen. Judenfeindlichkeit ist noch immer ein wichtiger Teil rechtsextremer Ideologie. Aber auch fernab des Rechtsradikalismus findet sich noch immer Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft.
Die Universität Bielefeld führte zwischen 2002 und 2005 eine Untersuchung zu „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ durch. Der Aussage „Juden haben in Deutschland zuviel Einfluss“ stimmten 18,2% aller Befragten in Sachsen zu (22,7% alte Bundesländer). Außerdem meinten 13,7% der Sachsen (16,8% alte Bundesländer) „die Juden sind an ihren Verfolgungen mitschuldig“.
Quellen:
Asendorf, M., Flemming, J., Müller, A.v. & Ullrich, V.: Geschichte. Lexikon der wissenschaftlichen Grundbegriffe, Reinbek 1994.
Benz, W.: Was ist Antisemitismus? , München 2004.
Brockhaus Enzyklopädie, Band 2 ANAU-AUSV, Leipzig, Mannheim 2006
Lexikon der deutschen Geschichte, Freiburg im Breisgau 1999.
Meyers Taschenlexikon Geschichte, Band 1 A-DAZ, Mannheim, Wien, Zürich 1989.t, M.G.: Wörterbuch zur Politik, Stuttgart 1995.
Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, Bielefeld 2006.