Islamismus

Im Sprachgebrauch der westlichen Welt ist Islamismus die Bezeichnung für die dem islamischen Fundamentalismus zugrunde liegende Ideologie.

Der islamische Fundamentalismus beruft sich auf eine radikale Interpretation des Islam. Ziel ist die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im jeweiligen Land und perspektivisch die Herrschaft des Islam über die ganze Welt. Das Leben der Menschen soll nach dem Koran und den Aussprüchen Mohammeds (Hadith) und der ersten vier Kalifen (Sunna) geregelt sein. Angestrebt wird auch die Einführung der Schari´a, des islamischen Rechtssystems. Zentrale Merkmale des Islamismus sind Antizionismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus sowie die Bekämpfung der „dekadenten“ modernen westlichen Welt. Viele islamische Fundamentalisten stehen der Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ideale positiv gegenüber oder wenden sie sogar an.

Fundamentalismus in dem Sinn, wie er heute in Erscheinung tritt, ist spätestens seit dem 19. Jahrhundert in allen Weltreligionen mehr oder weniger stark zu beobachten gewesen. Er entwickelte sich als Reaktion auf die Aufklärung und auf die Rationalisierung des Denkens, wie sie seit dem 17/18. Jahrhundert in fast allen Regionen der Erde auftrat. Mit der neuen Freiheit im Denken war auch eine große Ungewissheit mit der Frage verbunden, was wahr ist und was falsch. Aus der Sehnsucht nach einer geordneten, leicht verständlichen Welt und nach den alten festen Werten entwickelt sich religiöser Fundamentalismus. Besonders begünstigt wird seine Entstehung durch Armut, fehlende Bildung sowie ein Gefühl der sozialen und gesellschaftlichen Benachteiligung. Der Fundamentalismus verspricht in dieser Situation Hilfe durch die Religion und verschafft ein Überlegenheitsgefühl, weil man sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt.

Seit den 1990er Jahren findet der Islamismus in der westlichen Welt immer mehr Beachtung, da sich einige seiner Anhänger dem Terrorismus verschrieben haben und weltweit Anschläge verübten, z.B. gegen die amerikanischen Botschaften in Daressalam und Nairobi 1998. Die internationale Wahrnehmung des Islamismus wurde grundsätzlich verändert durch die Anschläge auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington am 11. September 2001. Als Reaktion darauf verbündeten sich viele Staaten zum weltweiten „Kampf gegen den Terror“, der bis heute andauert.

Auch in Deutschland sind in den letzten Jahren vereinzelte islamistische Straftaten verübt worden. Zu nennen ist hier z.B. der Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge am 3.10.2002, bei dem zuerst ein rechtsextremer Hintergrund vermutete worden war.

Der islamistische Terrorismus hat in der westlichen Welt zu einer weit verbreiteten Islamophobie (Islamängstlichkeit) geführt. Dabei wird jedoch vergessen, dass der absolut überwiegende Teil der Muslime fundamentalistische Ansichten ablehnt.

Quellen:

Brockhaus Enzyklopädie, Band 13 HURS-JEM, Leipzig, Mannheim 2006.

Brockhaus Enzyklopädie, Band 10 FRIES-GLAR, Leipzig, Mannheim 2006.

Die Zeit. Das Lexikon, Band 07 IMPF-KIQ, Hamburg, Mannheim 2005.