Terrorismus

Das Wort Terrorismus ist abgeleitet vom lateinischen „terror“ bzw. vom französischen „terreur“ und bedeutet wörtlich „Schrecken“ bzw. „Schrecken bereitendes Geschehen“. Gemeint sind damit Bestrebungen, durch systematische Verbreitung von Angst und Schrecken, meist in Form von Androhung oder Ausübung von Gewalt, politische oder gesellschaftliche Ziele zu erreichen. Diese Ziele können z.B. fundamentalistisch religiöse, rechts- und linksextremistische oder ethnisch-nationalistische sein. Typisch für den Terrorismus sind eine strenge Freund-Feind-Unterscheidung und das Verfolgen angeblicher „höherer Ziele“. Die terroristischen Vereinigungen schotten sich ab von der Außenwelt und sind durch einen strengen Moralkodex innerhalb der Gruppe gekennzeichnet.

Der erste „Theoretiker“ des Terrorismus war zu Anfang des 19. Jahrhunderts M. A. Bakunin, der im zaristischen Russland eine „Propaganda der Tat“ forderte. Gemeint waren damit Anschläge gegen wichtige Vertreter und Einrichtungen von Staat und Wirtschaft, mit denen es einer kleinen entschlossenen Minderheit möglich sein sollte, die Stützen von Staat und Gesellschaft anzugreifen.

Vor dem ersten Weltkrieg wurden in Süd- und Osteuropa terroristische Gruppen vor allem von Anarchisten gebildet, deren Ziel es war, die alten monarchistischen Herrschaftssysteme zu Einsturz zu bringen, wie zum Beispiel in Italien, Österreich-Ungarn oder im Osmanischen Reich.

Nach 1918 wurde Terrorismus vor allem von rechtsextremistischen Gruppen betrieben, in Deutschland zum Beispiel von der Organisation Consul, die Mordanschläge auf demokratische Politiker verübte (z.B. auf Walther Rathenau 1922). Später kam der Terror der SA hinzu, die mit ihren Überfällen auf Einrichtungen und Versammlungen politischer Gegner die Herrschaft des Nationalsozialismus mit vorbereitete.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen terroristische Aktivitäten in der Welt deutlich zu:
Die katholisch-nationalistische IRA (Irish Republican Army) kämpft seit Ende der 1960er Jahre gegen die britische Herrschaft in Nordirland und für eine Vereinigung mit der Republik Irland. Ihr Gegner war die protestantische, pro-britische Untergrundbewegung Ulster Defence Association. Beide Seiten kämpften mit terroristischen Mitteln. Ihnen fielen in 30 Jahren 3.000 Menschen zum Opfer. Erst 1998 wurde ein Friedensabkommen geschlossen, nachdem die nachlassende Akzeptanz in der Bevölkerung und die mangelnde Aussichtslosigkeit des Kampfes immer deutlicher wurden.

Die 1959 gegründete ETA (Euskadi Ta Askatasuna - baskische Untergrundorganisation) strebt die Abspaltung des Baskenlandes von Spanien an. Ihren Terroranschlägen fielen bis zum Jahr 2003 817 Menschen zum Opfer. Am 22. März 2006 kündigte die ETA eine Waffenruhe an.

In Italien wurden die Roten Brigaden (Brigate Rosso) für eine Vielzahl politischer Morde in den 1970 und 1980er Jahren verantwortlich gemacht. Sie wollten eine marxistisch-leninistische Gesellschaftsordnung erkämpfen und finanzierten sich vor allem durch Banküberfälle. 1982/83 wurde die Organisation von der Polizei zerschlagen.

Von 1931 bis zur Gründung des Staates Israel 1948 kämpfte die jüdische Terroristengruppe Irgun Zwai Leumi in Palästina gegen Araber und Palästinenser. Bewegungen wie Fatah, Hamas und Hizbollah kämpfen ihrerseits seit damals bis in die heutige Zeit gegen Israel.

Ende der 1960er Jahre erreichte der Terrorismus auch die BRD. Hier waren es die linksterroristischen Gruppierungen Baader-Meinhof-Gruppe und Rote-Armee-Fraktion (RAF), die einen Kampf gegen „repressive Gewalt“ und „kapitalistische Ausbeutung“ in den westlichen Industriestaaten und in der dritten Welt begannen – so ihr eigenes Verständnis, der mit der Auflösung der IRA im April 1998 ein endgültiges Ende fand.

In den 1990er Jahren erreichte der Terrorismus in der Welt ein Ausmaß, das bis dahin unbekannt war. Verantwortlich dafür sind vor allem islamistische Terrornetzwerke wie „Al-Quaida“. Nach ersten Sprengstoff- und Bombenanschlägen (z.B. auf das World Trade Center in New York 1993 und die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998) veränderten die Flugzeugangriffe auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington am 11.9.2001 mit ca. 3.000 Toten die Wahrnehmung der Terrorismusgefahr grundlegend. Antiterrorkriege, z.B. gegen Afghanistan, und eine internationale Staatenkoalition im Kampf gegen den Terror konnten weitere Anschläge z.B. Madrid 2004, London 2005 jedoch nicht verhindern.

Quellen:

Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden, Band 21 STAM-TEL, Leipzig, Mannheim 2001. 

Die Zeit. Das Lexikon, Band14 SPEN-TORO, Hamburg, Mannheim 2005.

Schmidt, M.G.: Wörterbuch zur Politik, Stuttgart 1995.